Hämmer im Schleusegebiet

Chronik Schleusingen

Für Schleusingen und Hinternah konnte ich die folgenden genealogisch relevanten Fakten zusammentragen.

15. Jahrhundert

1412 Schleusingen erhält Stadtrecht.

16. Jahrhundert

1533 Schleusingen erhält das Marktrecht.
1560 In diesem Zeitraum wird Caspar Triebel geboren, der als Waffenschmied in Hinternah lebt, und eine Familie gründet, deren Nachfahren (der „Waffenschmied-Hinternah-Linie“) bis mindestens ins 17. Jahrhundert in Hinternah und Schleusingen leben.
1570 Es beginnen die Kirchenbuchaufzeichnungen (Trauungen und Taufen) der St. Johannis Kirche für Schleusingen und Hinternah. Separate Kirchenbuchaufzeichnungen für Hinternah wurden erst ab 1662 geführt.
1571 In den folgenden 20 Jahren (1571-1588) heiraten in Schleusingen Caspar, Hans, Martha, Barbara, Dorothea, Christina und Hans Triebel. Es kann davon aus gegangen werden, dass sie Geschwister sind.
1574 Steffen Triebel aus Goldlauter heiratet in Schleusingen und gründet eine weitere Familienline in Schleusingen. Er hat wahrscheinlich einen Sohn Richard.
1577 Stiftungsurkunde des Schleusinger Gymnasiums.
1581 Oswald Triebel aus Suhl heiratet Else Weißler. Es sind keine Nachfahren bekannt.
1582 Wegen der gregorianischen Kalenderänderung folgt auf den 05.10.1582 direkt der 14.10.1582.
1588 Im Musterungsregister wird in Schleusingen ein Andres Triebel, mit Federspieß, geführt. In der Schleusinger Vorstadt wird Balizar Triebel, Caspar Triebel, mit Federspieß,  Hans Driebel, mit Knebelspieß geführt [55].

17. Jahrhundert

1611 Die Bevölkerung Hinternahs ist von 180 Einwohnern um 1500 auf ca. 650 gewachsen. Um dieses Jahr wird in der Hinternah-Linie auch Jörg Triebel als Sohn des Caspar geboren. Er lebt auch als Waffenschmied in Hinternah.
1625 Im Juli wird Caspar Triebel Stammvater der Hinternah-Linie im Musterungsregister geführt [56] im September stirbt er. Drei Jahre später stirbt seine Frau und seiner Kinder Elisabetha (7 Jahre) und Paulus (5 Jahre).
1626 Thomas Triebel aus Schmiedefeld stirbt in Schleusingen. Es sind keine weiteren Familienmitglieder bekannt.
1630 Jörg Triebel heiratet am 31.11. Ursula Anschütz ebenfalls aus Hinternah. Er wird mit der Geburt seiner Kinder Catharina (*1631), Nicolaus (*1633) und Andres (*1637 +1638) zum Stammhalter der Hinternah-Linie. Jörg stirbt relativ Jung nur 8 Jahre nach seiner Hochzeit im Februar 1638.
1634 Während des Dreißigjährigen Krieges konnte der Stadtkommandant Ludwig Ernst Marschall beim Eintreffen der ersten kaiserlichen Truppen mit viel Verhandlungsgeschick die Stadt vor der Plünderung und Zerstörung durch die Kroaten des gefürchteten Generals Isolani retten. Diese nutzten jedoch Schleusingen als Winterquartier und zogen werraabwärts plündernd und brandschatzend bis in die Kuppenrhön [54].
1635 Elias Triebel, Schlosser aus Hirschbach, heiratet in Schleusingen und stirbt 3 Jahre später am 12.8.1638. Seine Tochter Anna stirbt im Juni 1647 und seine Tochter Margaretha am 19.08.1658 in Schleusingen.
1646 Bei der von der Kirche angeordneten Volkszählung nach dem 30-jährigen Krieg wurde nur die Familie des Eberhardt Triebel, Stammhalter der Schleusingen-Linie, mit seiner Ehefrau Ursula und drei Töchtern in der Schleusinger Vorstadt dokumentiert. 
1662 Im November heiratet Nicolaus Triebel Bürger und Schneider in Schleusingen. In den Folgejahren werden mindestens 5 Kinder des Nicolaus geboren. Er kann kein Nachfahre des Eberhardts gewesen sein, da er sonst im Volkszählungsverzeichnis enthalten gewesen wäre.
1663 Im Juni heiratet Johann Triebel, Schultheiß und Hammerschmied wahrscheinlich aus Vesser, Margaretha Möller aus Schleusingen.
1679 Der große Brand an der Südseite des Marktes.
1681 Hans Caspar Triebel ein Musikant und Paußmann zu Königsberg in Franken heiratet Anna Margaretha Schütz aus Schleusingen. Hans Caspar ist Paul Triebels (+), Bürger und Seifen-Sieders in Suhl, Sohn.
1685 Johann Triebels (Schultheiß in Vesser) Wittwe Margaretha Triebel heiratet am 15.11.1685 in Schleusingen Andreas Dresßler einen Gastwirt aus Lichtenau.

18. Jahrhundert

1719

Schleusingen hat 238 bürgerliche Häuser.
1724 Am 19.11.1724 heiratet Catharina Triebel, jüngste Tochter des Johann Stephan Triebel aus Schmiedefeld geboren, Johann Georg Kühner.
1734 Catharina Triebel wird als Witwe im Erbhuldigungsregister der Untertanen und Vasallen geführt. 
1746 Johann Adam Triebel aus Vesser und Teil der Mahlmüller-Linie heiratet das erste Mal in Schleusingen Johanna Maria Kern und gründet eine Familie. Er wird später Bürgermeister in Schleusingen.
1765 Der große Brand an der Südseite des Marktes.
1773 Der große Brand an der Nordseite des Marktes.

19. Jahrhundert

1876 Der große Brand in der Bertholdstraße, Walchstraße und Klosterstraße.

Triebel Zufallsfunde

JahrFund
1621Traueintrag KB Schleusingen: Hans Sperrer, Clausens Sporrers r. fil: alhier, Veronica, Thomas Triebels tochter zu Suhla.
1700Traueintrag KB Schleusingen: Caspar Henn, Wittwer, Bürger und Tagelöhner allhier, und sie, Margaretha Barbara, Meister Johann Treibigs Inwohners und ??? nachgelassene eheleibliche einzige Tochter zu Kühndorf.
1711Traueintrag KB Schleusingen: Anders Wolfram, Caspar Wolfram mitnachbars nachgelassener eheleiblicher Sohn, zu Rotlitz?, und sie, Johanna Elisbetha, Meister Stephen Trübels einwohners und messerschmidts ??? mittelste Tochter zu Schweinau.

Chronik Vesser

Für Vesser konnte ich die folgenden genealogisch relevanten Fakten zusammentragen.

15. Jahrhundert

900 Vesser „Uezzerun“ (Vezzerun) wird erstmalig in einer Urkunde erwähnt als Ort, an dem Eisen geschmolzen und geschmiedet wurde. Der Hüttenort (ubi ferrum conflatur) wird in einer Schenkungsurkunde des Grafen Adalbrecht an Fulda erwähnt und verdankt seine Entstehung ebenso wie Schmiedefeld a. R. dem Vorkommen von Eisenerzen im Vessertal.
1406 Die Entwicklung des Dorfes begann im frühen 15. Jahrhundert mit der Errichtung eines Hammerwerks zur Eisenverarbeitung, das bis ins 19. Jahrhundert an der unteren Hammerwiese betrieben wurde. Der „Hammer in der Vesser“ wird am 2.5.1406 erstmals urkundlich genannt. Er ist damit als ältester Eisenhammer des Schleusegebietes anzusehen, selbst der erste Eisenhammer in Suhl wird erst 1437 genannt. Der Hammer wird bis 1748 im späteren unteren Forsthaus betrieben.
1468Die Gebrüder Triebel sind die ältesten nachweisbaren Besitzer des Vesserer Hammers. Sei werden in einem Steuerregister als Betreiber des Hammerwerkes genannt.
1497Die Brüder Paul und Heinz Triebel betreiben den Hammer in Vesser, dessen Betrieb gemindert oder eingestellt werden soll, um den brachliegenden Lauter-Hammer wieder in Betrieb zu nehmen [60]. Details zu diesem Vorgang befinden sich in der Deutung von Werner Schwarz.

16. Jahrhundert

1514 Die Steuerregister des Amtes Schleusingen enthalten keine Einträge für Vesser.
1535Die Steuerregister des Amtes Schleusingen enthalten keine Einträge für Vesser.
1569 Die Steuerregister des Amtes Schleusingen enthält vier Besteuerte mit einem Vermögen von 320 fl. Es kann davon ausgegangen werden, dass es sich dabei um Triebels handelte.
1570Anton, Klaus und Georg Triebel (Nachfahren der Brüder Paul und Heiz) betreiben den Hammer in der Vesser [61].
1572 Vesser hat 14 Einwohner.
1573 In einem „Verzeichnis der Wehren und Waffen“ werden 3 männliche Personen namentlich geführt, von denen 2 über Büchsen und einer über ein Federspieß verfügte. Alle trugen den Namen Triebel.
1585 In Vesser leben 5 Mannschaften, die ca. 23 Personen beinhalteten.
1588 Nachweisbare Besitzer des Vesserer Hammers waren ‘die Driebeln in der Vesser’, die 1588 fünf Gulden Erbzins dafür bezahlen mussten, aber nicht mehr Eisen herstellten ‘dann verarbeitet wird zu Waffen und Spießen’ .
1588 Margaretha Triebel aus Vesser heiratet in Schleusingen Valden Klauer, es sind im Heiratseintrag des Kirchenbuches leider keine weiteren Informationen über die Familie von Margaretha angegeben.
1588Im Musterungsregister werden Hans, Heinz und Elias Triebel, als „Schusen“ sowie Hans Triebel des Hans und Junghans Triebel, beide mit Federspießen geführt [55].
1595 Die Kirchenglocke ist zersprungen und wird in Erfurt umgegossen und „8 Ztr. 65 Pfund neue Speise“ wurde dazugekauft. Sie kostete 260 fl, 14 Groschen und 3 Pfennig.

17. Jahrhundert

1601 Der sich ausweitende Bergbau sorgt für Aufschwung in Vesser. Es erfolgten weitere Ansiedlungen von Handwerken.
1606 In Vesser leben vier Mannschaften, die ca. 19 Personen beinhalteten. Im Jahr 1611 sind es genauso viele.
1625Im Musterregister wird Hans Triebel in der Veßer, Musketier, neben einem Söldner geführt [56].
1631 In Vesser leben sieben Mannschaften in sieben Häusern.
1641 Am 21.02.1641 heiratet Ursula Triebel, Tochter des Johann Triebel aus Vesser, Johann Drott Sensenschmied aus Schleusingen. Die Hochzeit ist im Kirchenbuch Schleusingen verzeichnet mit den Hinweis „Anderswo copulirt“.
1647 Bei der von der Kirche angeordneten Volkszählung nach dem 30-jährigen Krieg wurden in Vesser 3 Familien mit dem Namen Triebel verzeichnet, die mit höchster Wahrscheinlichkeit verwandt sind. Johann Triebel ist Schultheiß von Vesser. Vesser und Stützerbach waren die einzigen beiden Orte, die vom dreißigjährigen Krieg verschont blieben. Vesser wahrscheinlich insbesondere aufgrund der Unwegsamkeit und der versteckten Lage.
1658 Vesser hat sieben Mannschaften in sieben Häusern. Neben dem Eisenhammer existiert auch eine Schneidmühle.
1663 Am 23.01.1663 werden die Schultheißin Magdalene Triebel von Vesser, Elisabeth Pfeiffer und Ursula Keßler aus Schmiedefeld enthauptet und verbrannt. Magdalena Triebel und anderen hatten sich als Gespielin bei Hexentänzen der Anna Borchert bezeichnet.
1688 Die Mittagsglocke zerspringt am 28. Juni und wird durch den Glockengießer Nicolaus Rausch umgegossen, die abermals zersprang.
1690 Die Kirchenglocke zerspringt beim 18. Mai beim Gebetsschlagen und wurde 1697 erneut umgegossen und sprang wieder. 1711 wird sie vom Glockengießer Joh. Melchior Dork zu Koburg umgegossen.
1691 Bau einer Mahl- und Ölmühle durch Hans Adam Triebel [2].
1696 Bau einer Schneidemühle durch Valentin und Hans Adam Triebel [4].
1700 Bau eines Zainhammers durch Valentin Triebel [5].

18. Jahrhundert

1710 Bau der (neuen) Kirche in Vesser analog zu der in Schmiedefeld. Der Kanzelaltar trägt die Figuren der Maria und des Johannes. Der Taufstein mit einem aus Messing getriebenen Taufbecken hat die Zeichen: „1711 D. K. S.“. Die Taufkante ist von einem P. S. 1715 gestiftet. In Vesser leben 21 Familien davon 12 mit dem Namen Triebel.
1716 Als Hans Michael Jäger das Gesuch stellt eine Ölmühle in Schmiedefeld zu erbauen, erhob die Witwe Ursula Triebel aus der Triebel-Mahlmüller-Linie in Vesser – trotz ihres Vermögens von 2.000 Gulden – Einspruch. Seit Ableben ihres Mannes vor 9 Jahren, war kein Öl in der Vesserer Mühle geschlagen und verkauft worden.
1717Valentin Triebel stellt den Antrag den Schmiedehammer auf die heutige Hammerwiese zu verlegen [57].
1718 Es werden 13 Mannschaften in einem Erbhuldigungsregister erfasst. Vesser hat 19 Feuerstellen. Die eindeutige Nachvollziehbarkeit der Triebel-Schmiede-Linie beginnt mit Adam Triebel und reicht bis in die Gegenwart.
1734 Es werden 32 Mannschaften in einem Erbhuldigungsregister erfasst, davon 8 mit dem Namen Triebel.
1742 Der Eisenhammer ist von Familie Triebel in den Besitz von Georg Keiner, Johann Michael Greiffelt und Johann Heinrich Klett übergegangen. Sie beantragen gemeinsam eine Konzession ihn an den Ort der Schneidemühle zu verlegen. Der letzte Pächter war Johann Friedrich Triebel [58].
1748 Der Eisenhammer wird wegen der hohen Lärmbelästigung zu einem Forsthaus umfunktioniert und auf die heutige Hammerwiese verlegt. Dort wird er bis 1854 betrieben.
1754 Es wird ein eigenes Steuermatrikel für Vesser begonnen und bis 1824 geführt.
1758 Vesser hat 19 Häuser und 30 Haushaltungen. Schmiedefeld und Vesser erhalten eine eigene Pfarrei. Nach verschiedenen Anfragen und Ablehnungen wurden Ende Juli 1758 die Bewohner Schmiedefelds und Vessers nach Schleusingen geladen um Ihr Anliegen eine eigene Kirche zu haben zu verteidigen. Anwesend waren aus Vesser der Schultheiß Johann Adam Triebel, der Dorfmeister Christoff Widder und der Kirchenälteste Hans Georg Triebel. Am 20.11.1758 wurde die Genehmigung von der Dresdener Kirchenbehörde erteilt. August Ab 1760 sind Kirchenbücher überliefert.
1783 Der Schultheiß Triebel bescheinigt Johann Adam Schmidt aus Vesser, der Schulmeister im Schmiedefeld werden wollte, „Fleiß, Treue und Sorgfalt“. Trotzdem ist er nicht Schulmeister geworden.
1789 Im Steuermatrikel ist „Ein gantzer Eisenhammer mit seinem Zugehör“ verzeichnet, der Johann Daniel Keiner zugeschrieben wird. Die Keiner-Familie war 1789 auch im Besitz des Eisenhammers Schleusingen (Friedrichswerk) und in Hinternah. Bei dem gemeinsamen Gesuch der Hammerbesitzer zu Schmiedefeld und Vesser im Jahr 1804 ist auch kein Triebel mehr vertreten, sondern ein Georg Daniel Keiner, ggf. ein Sohn von Johann Daniel Keiner.
1790 Vesser hat 22 Häuser und 94 Einwohner.

19. Jahrhundert

1808 Georg Daniel Keiner verkauft am 25. Mai den Eisenhammer an die Suhler Einwohner Georg Gotling und Georg Daniel Schilling.
1813 Im Mai kauft Georg Daniel Schilling auch den Zainhammer.
1827 In Vesser sind zwei Hämmer verzeichnet: „Der Schillingsche Eisen- und Zainhammer und der Stahlhammer im Vesserer Grund“.
1833 Unterhalb des Dorfes Vesser befinden sich ein Eisenhammer, ein Schmelzofen und ein Zainhammer, in dem nicht glattgeschmiedetes Eisen zu Nägeln oder Draht verarbeitet wurde.
1836 Vesser hat 189 Einwohner, 21 Wohnhäuser, 1 Unterförsterei und 1 Gasthof. Auch gehört zum Dorfe 1 Mahl-, 1 Schneide-, 1 Oelmühle und ein ¼ Stunde unter dem Dorfe liegender Eisenhammer.
1840 Vesser hat 235 Einwohner.
1841 Es wird eine Ölmühle erwähnt.
1850 Erst 1850 kam der Hammer in der Vesser zum Stilstand. 1854 wurden aus dem Hammer Schmiedezangen, Brecheisen und Feuerhaken gestohlen (Henneberger Kreisblatt 1854).
1854 Der Betrieb des Hammerwerkes zur Eisenverarbeitung an der unteren Hammerwiese wird eingestellt. Der als „Stahlhammer in der Vesser“ bezeichnete Eisenhammer gehört zur Konkursmasse des Herrn Kommerzienrates Höhn aus Ilmenau.
1855 Der Ort ist auf 180 Einwohner in 22 Häusern mit eigener Kirche, Schule, Gaststätte sowie Mahl- und Schneidmühle angewachsen.
1856 Im Ort wird eine Mahl- und Schneidemühle erwähnt.

Deutsche Gründlichkeit und Umweltschutz im 17. Jh.

Am 29. Juli 1696 erhalten Valentin Triebel, Schultheiß von Vesser, und Hans Adam Triebel die Erlaubnis zum Bau und Betrieb einer Schneidemühle unter den Schmelzhütten in der Nähe von Vesser [4].

Der Vertrag

Die notwendige Freigabe des zuständigen Amtes war keinesfalls eine leichtsinnige Entscheidung. Mit dem Jägermeister und Oberforstmeister wurden die Begebenheiten vor Ort besprochen („ … deßwegen Erkundigung eingezogen, sowohl auch die Beschaffenheit und Zustandt der Wälder überleget worden.“) und das Controlling (Rentmeister) hat wahrscheinlich die Preise festgelegt.

Schließlich wurde ein Vertrag mit den folgenden Eckpunkten erarbeitet:

  1. Die Baugenehmigung wird an der Ruppbach Mündung erteilt („allwo das Ruppacher und Veßer Waßer zusammen kommet“).
  2. Das jährliche Ruppbach-Vesser-Wasser-Abo („Erb- und Wasserzins“) kostet drei Gulden, „Obschon diese Mühle beständig Waßer zu haben nicht vermuthet wird“.
  3. Der Bau muss mit recyceltem Holz ausgeführt werden („Die benöthigte Dielbäume werden ihnen vornemlich aus Windbrüchen und wandelbahrem Holze, …., angewiesen“).
  4. Bei Vermietung oder Verkauf ganz oder tageweise muss eine Provision gezahlt werden („ … das gewöhnliche Handlohn, von 100 – 5. fl. in die Amts Voigthey abzurichten“).
  5. Die genehmigende Stelle bekommt – wie immer – Vorzugspreise („ … gnädigster Herrschafft … , gleich andern Schneidemühlen, umb billichen Preys zu schneiden, und zu überlaßen.“).
  6. Es ist weder erlaubt schwarz zu fischen noch die Fischbestände zu gefährden („Keiner Fischweide sollen sich die Gewercken des Orths zu gebrauchen unterfangen, auch die Sägenspähne also schütten laßen, daß sie nicht ans Waßer kommen, noch dadurch die Fischweide verderben.“).
Unterschriften und Siegel (Quelle: LASA [4])

Der Vertrag wurde im Namen des fürstlich Sächsisch-Naumburgischen geheimen Rates von den beteiligten Amtsmännern sowie von Valentin und Hans Triebel unterschrieben und besiegelt.

320 Jahre altes Holz?

Bei einem Besuch in Vesser im Sommer 2019 ging ich vor Ort auf Spurensuche, da nach zu diesem Zeitpunkt aktueller Papierlage nichts über diese Schneidemühle herauszufinden war. Wurde sie tatsächlich gebaut? Wie lange war sie in Betrieb, zumal schon vor 320 Jahren zu wenig Wasser vermutet wurde? Der beschauliche Ort im Biosphärenreservat schien zunächst unscheinbar und ohne besondere Anzeichen auf ein Handwerks-Denkmal. Bei genauerem Hinsehen konnte ich jedoch zwei Artefakte entdecken: Eine ungewöhnlich gerade Uferkante und ein Holzbalkenstück mit großen Nägeln.

Ruppach Vesser Schneidemühle
Ruppach Vesser Schneidemühle
Ruppach Vesser Schneidemühle
Ruppach Vesser Mündung
Die Mündung von Vesser und Ruppbach sowie Teile der Schneidemühle? (A. Triebel, Juli 2019)

Sind die geraden Kanten der Ufersteine das Ergebnis menschlicher Bearbeitung? Vielleicht Reste eines Mühlbeckens oder eines Fundamentes? Ist der Balken tatsächlich Teil der Mühle gewesen oder nur im 19. Jahrhundert von einem Pferdewagen gefallen? Für mein Laienauge sieht es so aus, als wären die Nägel handgeschmiedet. Es gibt keine geraden Kanten – alles ist unregelmäßig. Die Unterlegscheiben habe viele kleine Dellen – das könnten doch Hammerabdrücke sein, oder?

Neue Erkenntnisse – 275 Jahre altes Holz!

Nach weiterer Literaturrecherche bin ich Anfang 2020 sicher, dass die Schneidemühle gebaut wurde und auch lange in Betrieb war:

  • Sie wurde 1742 im Dokument zur Verlegung des Eisenhammers erwähnt [58].
  • Im Steuermatrikel beginnend im Jahr 1754 wird sie ebenfalls erwähnt und scheinbar auch noch im Jahr 1805 vererbt [7].

Weiterhin habe ich nach Anfragen bei Dendrochronologen herausgefunden, dass eine Datierung ab 50 Jahresringen grundsätzlich möglich ist – je nach Art und Zustand des Holzes. Daher war ein weiterer Besuch des Ortes notwendig, um den Holzbalken für eine mögliche Datierung zu sichern. Beim Besuch Anfang März 2020 ergaben sich weitere Zusammenhänge.

Der Fundort des Balkens war wahrscheinlich nicht der Standort der Mühle, denn Regenfälle der Vortage hatten die beiden Flüsschen recht bissig werden lassen. Ein Gebäude wäre vermutlich nur höher gelegen sinnvoll gewesen. Jedoch traue ich den beiden Flüsschen nun zu, den Holzbalken ohne Probleme über eine gewisse Strecke transportiert zu haben. Der Zustand des Balkens war sehr schlecht – es war kaum möglich eine Scheibe für die Datierung zuzusägen. Das lässt jedoch auch auf ein gewisses Alter schließen. Ich konnte mit dem bloßem Auge nur ca. 40 Ringe zählen. Mal sehen, ob eine Datierung möglich ist.

Die Ergebnisse der dendrochronologischen Untersuchung liegen nun vor: Es handelt sich um Tannenholz bei dem 42 Ringe gezählt worden konnten. Der innerste gemessene Ring konnte auf 1745 datiert werden – der äußerste Ring auf nach 1786 [59]. Da die Waldkannte nicht mehr vorhanden war, kann nicht genauer gesagt werden, wann der Baum gefällt wurde. Da zu dieser Zeit jedoch die Bäume saftfrisch verarbeitet wurden und nur wenig abgebeilt wurde, ist es wahrscheinlich, dass der Baum nur sehr wenige Jahre nach 1786 gefällt wurde. Insofern konnte diese Holz nicht für die Erbauung der Schneidemühle 1696 verwendet worden sein. GGf. wurde es für spätere Ausbesserungen oder Erweiterungen genutzt, da die Mühle noch mindestens bis mindestens 1805 Bestand hatte [7].

Danke

Vielen Dank an das Landesarchiv Sachsen-Anhalt (LASA, Standort Wernigerode) für das Bereitstellen der Akten, an die Sütterlinstube Hamburg e.V. für die Unterstüzung bei der Transkribierung und an die SG Denkmalschutz Suhl, dem ThLfDA für die Freigabe den Holzbalken für eine mögliche Datierung entnehmen zu dürfen und natürlich dem „DAI“ in Berlin für die Datierung!

Die Kurze Triebel-Geschichte

Allgemeine Namensherkunft

Für die Herkunft des Familiennamens Triebel können unterschiedliche Erklärungen herangezogen werden. Dazu kann zu zunächst allgemein zusammengefasst werden, dass sich deutsche Familiennamen in fünf Gruppen unterteilen lassen [31]:

  • Familiennamen nach Rufnamen. Es handelt sich meist um Vaternamen, z. B. Albrecht oder Friedrich. Gelegentlich sind aber auch andere Verwandtschaftsbeziehungen der Ursprung.
  • Familiennamen nach Wohnstätte. Entstanden zur Identifizierung von Personen innerhalb der engeren Heimat aus Lage des Wohnsitzes oder baulicher Besonderheiten des Wohnhauses, z. B. Bühl, Horn, Ebner, Thalmann, Pfuhl, Bachmann, Grieß.
  • Familiennamen nach Berufs-, Amts- und Standesbezeichnungen, z. B. Müller, Schmidt, Schneider, Fischer, Meyer, Weber, Schulz, Bauer, Richter, Lasser, Schröpfer, Helmer, Plattner.
  • Familiennamen nach Herkunft. Meist bei Zuwanderungen in expandierende Städte wurden dem Vornamen der Herkunftsort hinzugefügt, z. B. von Oetershausen, Westphahl, Bülow, Böhmer.
  • Familiennamen aus Übernamen: Entstanden aus konstanten dauerhaften oder vorübergehende zufällige Merkmale des Namensträgers, z. B. Lang, Kurz, Mager, Dürr, Grau (Haarfarbe), Hinkefuß, Blaurock, Zänker, Zorn, Grimm, Murr, Hochmut, Guthans, Hübsch, Frühauf, Keck, Müssig, Späth, Kluge, Narr, Bierhals, Schlemmer, Tänzer.

Die Herkunft des Namens Triebel kann daher über die Herkunft oder über einen Übernamen mit Ursprung aus dem Beruf erklärt werden.

Berufsübername Triebel

Als Erklärung für die Namensherkunft von Triebel aus Berufsübernamen kommen folgende Erklärungen in Frage:

  • Triebel kann abgleitet werden aus den mittelhochdeutschen Wörtern tribel und tribelslage, die Treibel bzw. Schlägel bedeuten. An Spulrädern ist der Triebel der krumme Arm an der Welle bzw. der Drehling der Kurbel, um das Rad zu drehen [31].
  • Bezeichnet wurde mit Treibel auch der hölzerne Böttcherhammer, mit dem die Reifen angetrieben werden, daher auch „Reiftreibel des Böttchers“ [31].
  • In einigen Oberdeutschen Gegenden bedeutet Triebelmeister bzw. Zeidelmeister so viel wie Bienenmeister („Zeidel“ = Honig) [29, 33, 34].

Aus den ersten beiden Wortabstammungen kann abgeleitet werden, dass es sich um einen Übernamen handelt, der einer Person zugewiesen wurde, die scheinbar in einem besonderen Maße mit diesen Werkzeugen gearbeitete hatte. Die Wortabstammung aus dem Oberdeutschen lässt zusätzlich auf eine räumliche Herkunft schließen, die Nahe des späteren Hauptverbreitungsgebietes des Namens liegt.

Herkunftsname Triebel

Diese Art der Namensgebung fällt zeitlich mit der Entfaltung der Städte im Mittelalter zusammen. Die Zuwanderung erfolgte hauptsächlich aus Ortschaften der näheren Umgebung. Herkunftsnamen können aber auch weitere Motive haben, z. B. Handelsbeziehungen, eine Pilgerfahrt oder eine Reise.

  • Im Vogtland befindet sich eine Gemeinde Triebel in der Talaue des Triebelbaches. 1303 wurde Triebel das erste Mal urkundlich erwähnt Es gibt Hinweise auf eine germanische und sorbische Frühbesiedlung des Gebietes Triebel. Grund für diese Ortsentstehung soll ein Eisenhammer gewesen sein. An dessen Stelle befindet sich heute die untere Mühle. Im Jahr 1378 sprach man von einem Niederen und einem Oberen Triebel. Erwähnt wurden die Orte mit unterschiedlichen Schreibweisen als Trybl (1303), Tribel (1328), Uberntrybel (1378), Triebel (1380), Tribil (1397) und beden Treblin (144). Ende des 18. Jahrhunderts setzten sich die Namen Unter- und Obertriebel durch [28].
  • Im heutigen Polen befindet sich die die Gemeinde Trzebiel (deutsch Triebel, obersorbisch Trjebule) mit knapp 6000 Einwohnern, von denen rund 1400 im gleichnamigen Hauptort wohnen . Erstmals erwähnt wurde der Ort im Jahre 1301. Zu dieser Zeit gehörte er noch zum Siedlungsgebiet der Sorben. Nach der Reformation wurden in der Kirche von Triebel Gottesdienste in sorbischer Sprache abgehalten.
  • Triebel ist eine Ortslage im Wuppertaler Stadtbezirk Uellendahl-Katernberg im Wohnquartier Siebeneick, die aus der Hofschaft Neuer Triebel hervorgegangen ist. Benachbarte Ortslagen sind „Alter Trie-bel“ und „Triebelsheide“. Die Herkunft des Namens ist derzeit noch ungeklärt. Der Ort ist auf der Preußischen Uraufnahme von 1843 als neue Triebel eingezeichnet. 1888 lebten in Triebel acht Einwohner in einem Wohnhaus. Auf Messtischblättern trägt der Ort den Namen Triebel. Im 19. Jahrhundert gehörten Neuer und Alter Triebel zu der Bauernschaft Kleine Höhe der Bürgermeisterei Hardenberg, die 1935 in Neviges umbenannt wurde. Heute existieren diverse Straßen, die nach den Ortslagen benannt sind.

Früheste Namenserwähnungen im 14. und 15. Jahrhundert

Die frühesten Namenserwähnungen beginnen im 14. Jahrhundert, was auch zeitlich mit der Bildung der Familiennamen zusammenfällt. Unterschiedliche Quellen nennen dabei Erwähnungen in unterschiedlichen Regionen:

  • Das Etymologische Wörterbuch der Deutschen Familiennamen von 1847 sieht den Namensursprung in der heutigen Region Baden-Württemberg „… frühere Erwähnungen leiten Triebel von den phonetisch ähnlichen Namen Trübel und Träubel ab. Urkunden weisen auf ein Haus- bzw. Wirtshausnamen mit dem Namen Träubel hin. Weitere Belege zeugen von einem Johann zum Trübel (1419), Kirchherr zu Dorlisheim, Bruder Reinhold zum Trübel in Rottweil (1429), Chun zum Treublein in Basel (1432), Johann zum Trübel Kaplan zu Straßburg (1371)“ [32].
  • In Südwest-Thüringen ergeben meine eigenen Forschungen erste Erwähnungen 1468 in Vesser, ab 1497 in Suhl, 1528 in Schmiedefeld und ab 1570 in Schleusingen und Goldlauter.

Dem Aussterben nah in Hinternah

Die Waffenschmiede-Linie

In Hinternah existierten in der 2. Hälfte des 16. Jh. zwei Eisenhämmer, der „Obere Hammer“ (auch der Streitleins Hammer) und der „Untere Hammer“ (auch der Appenfellers Hammer). Diese wurden wahrscheinlich im 17. Jh. vereinigt, da die Appenfeller Familie nur noch für einen Hammer Erbzins an das Schleusinger Amt zahlte [27]. Wer auch immer die steuern zahlte, musste der Arbeitgeber von Caspar Triebel und seines Sohnes Jörg Triebel gewesen sein. Beide lebten und arbeiten zwischen ca. 1575 und 1638 als Waffenschmiede in Hinternah.

Hämmer im Schleusegebiet
Karte der Hämmer im Schleusegebiet [27]

Der vereinte Eisenhammer ging 1785 in den Besitz des Hammermeisters Keiner aus Vesser über, dessen Familie bereits den Hammer in der Vesser gekauft hatte. Es ist jedoch mehr als unwahrscheinlich, dass zu dieser Zeit noch Nachfahren des Jörg Triebel im Hinternaher Hammer arbeiteten, denn seine Familie hatte einen sehr schlechten Start ins 17. Jahrhundert.

Der Tod und das leidige Jahr 1628

Von Caspar, dem Stammhalter der Waffenschmiede-Linie, sind fünf Kinder bekannt, von denen die mittleren Drei bereits im frühen Kindesalter sterben. Zu dieser Zeit war das keine Seltenheit, jedoch reihten sich sich auch viele Erwachsene in die kurze Todesfolge ein:

  • Caspars Kinder: Johannes († 1621, 3 Jahre), Elisabetha († 1628, 7 Jahre) und Paulus († 1628, 5 Jahre).
  • Caspar selbst starb 1625 und seine Ehefrau 1628.

Glücklicherweise führten die beiden verbleiben Kinder Caspars den Namen Triebel zusammen mit Familie Anschütz weiter. Tochter Margaretha Triebel heiratet 1627 Johannes Anschütz und sein Sohn Jörg Triebel heiratet 1630 Ursula Anschütz. Die Ehepartner waren jedoch keine Geschwister. Jörg und Ursula bekommen drei Kinder und die Todesfolge nimmt ihren weiteren Lauf:

  • Sohn Andres († 1637, 1 Jahr)
  • Jörg selbst stirbt nur acht Jahre nach seiner Hochzeit († 1638).
  • Ursula stirbt weitere 8 Jahre später († 1646).

Nachdem die Kinder Catharina und Nicolaus bereits viele Jahre ohne Ihren Vater aufwachsen mussten, sind sie nun Vollwaisen.

Teenager-Waisen im Dreißigjährigen Krieg 

Bei der von der Kirche angeordneten Volkszählung nach dem Dreißigjährigen Krieg [1] im Jahr 1646 werden die Geschwister Catharina und Nicolaus Triebel nicht erwähnt. Die einzige Erwähnung des Namens Triebel ist die Familie Eberhardt Triebel („Schleusingen-Linie“) in der Schleusinger Vorstadt. Die Verzeichnisse der Stadt Schleusingen, Schleusinger Neundorf und Hinternah enthalten keine Einträge mit dem Namen Triebel.

Die Geschwister haben aber überlebt. Zur Zeit der Volkszählung waren sie um die 15 Jahre alt. Es ist möglich, dass sie in einer Familie in Schleusingen untergekommen sind, denn hier werden im Gegensatz zu Schleusinger Neundorf, Schleusinger Vorstadt und Hinternah die Waisen, Mägde und Knechte nicht namentlich geführt. Catharina heiratet im August 1658 Jörg Wagner in Schleusingen und Ihr Bruder hat sich vom „Sartor“ (Flickschneider bzw. Ausbesserer) zum Schneider entwickelt und heiratet am 23.11.1662 in Schleusingen. Nicolaus bekommt mit seiner Frau Elisabetha fünf Kinder.

Derzeit enden die Nachforschungen zur „Waffenschmied-Linie“ bei dieser Generation Ende des 17. Jahrhunderts. Der komplette Stammbaum kann hier eingesehen werden.

Chronik Schmiedefeld

Für Schmiedefeld konnte ich die folgenden genealogisch relevanten Fakten zusammentragen.

15. Jahrhundert

1406 Der Ort wird erstmals urkundlich „uf dem Smidfeldt“ erwähnt.

16. Jahrhundert

1514 Die Steuerregister des Amtes Schleusingen enthalten keine Einträge für Schmiedefeld.
1528 In der über 40 Jahre andauernden Auseinandersetzung um die „Harzwälder“ um den Finsterberg (ca. 1490 –1530) wurde Paul Triebel als Zeuge angehört, um eine klare Abgrenzung zwischen den Sächsischen und Hennebergischen Ländereien auszuloten.
1535 Die Steuerregister des Amtes Schleusingen enthält 11 Besteuerte mit einem Vermögen von 841 fl.
1569 Die Steuerregister des Amtes Schleusingen enthält 21 Besteuerte mit einem Vermögen von 2135 fl.
1573 In einem „Verzeichnis der Wehren und Waffen“ werden 30 männliche Personen namentlich geführt, von denen 16 über Büchsen und 14 über Federspieße verfügten. Einer davon trug den Namen Triebel.
1585 Zur Erbhuldigung erscheinen 37 Mannschaften, daraus können ca. 174 Einwohner abgeleitet werden.
1588 Zur Erbhuldigung erscheinen 48 Personen aus Schmiedefeld. Im Musterregister [55] wurden 48 Personen verzeichnet. Darunter Großhans Triebell, Jacob Triebel (Wittwer) und Jung Hans Triebel alle mit Federspieß. Unter den Mietlingen Matthäus und Jörg Triebel, beide ebenfalls mit Federspieß.
1600 Zur Erbhuldigung erscheinen 51 Personen aus Schmiedefeld. Die Bevölkerung lag zu dieser Zeit zwischen 175 und 200 Seelen.

17. Jahrhundert

1606 Zur Erbhuldigung erscheinen 43 Personen aus Schmiedefeld, davon 23 mit eigenem Hausbesitz und 20 Mietlinge. Daraus wurden 202 Einwohner abgeleitet.
1611 Zur Erbhuldigung erscheinen 75 Personen aus Schmiedefeld mit einem eigenen Haus, darunter 62 Männer und 13 Witwen. Abwesend waren 9 Männer, sodass von 84 Haushaltungen ausgegangen werden kann. Daraus wurden 348 Einwohner abgeleitet.
1617 Paul Triebel wird in Schmiedefeld geboren und wird bei der Hochzeit seines Sohnes Hans Adam Triebel erwähnt. Er heiratet 1674 in Goldlauter und ist laut diesem Eintrag 1649 in Schmiedefeld geboren. Ein Paul Triebel wird bei der Volkszählung 1647 jedoch nicht erwähnt. Da er bereits um 1617 geboren sein muss, müsste er zwischen 1647 und 1649 (Geburtsjahr des Hans Adam) nach Schmiedefeld gekommen sein.
1625 86 Musterungspflichtige werden verzeichnet. Darunter Hans und Jacob Triebel, Musketiere [56].
1626 Thomas Triebel aus Schmiedefeld stirbt in Schleusingen.
1631 In Schmiedefeld gibt es 70 Häuser und 71 Familien.
1647 Bei der Volkszählung nach dem 30-jährigen Krieg werden eine Witwe Anna Triebel und die Familien Cyriax, Johann und Wolfgang Triebel erfasst. Sie stellen drei von 19 Familien dar, von denen 5 keinen Vater mehr haben.
1649 In Schmiedefeld leben 15 Familien.
1659 In Schmiedefeld leben 51 Familien. 51 Männer und 10 Witwen in 52 Häusern.
1665 Schmiedefeld hat 55 Häuser.
1670 Der Schultheiß Hans Keßler gibt die Einwohnerzahl in einer amtlichen Eingabe mit über 300 Seelen an.
1675 Stephan Triebel, der erste Sohn des Hans Adam Triebel wird noch in Schmiedefeld geboren. Sebastian Triebel wird 1677 in Goldlauter geboren. Dazwischen muss die Familie umgezogen sein.
1692 Am 13. Mai 1692 Brennt bei einem Großfeuer der Großteil des Ortes ab, darunter auch die Kirche und das Forsthaus. Mehr als 182 Familien wurden als obdachlos registriert. Der Müller Hans David Triebel stellt ein Gesuch um Erlassung des Mühlschweins auf das Jahr 1693 nach dem erlittenen Brand der Mühle.
1700 Es werden 84 zur Mannschaft Gehörige ohne junge Burschen und 65 Feuerstätten gezählt.
1700 Um 1700 beginnt mit Johann Adam Triebel, Leinwebermeister, eine Familienlinie in Schmiedefeld, die weitere Generationen hervorbringt.

18. Jahrhundert

1701 Johann Nikolaus Triebel wird in Schmiedefeld geboren. Folgende Personen sind wahrscheinlich seine Kinder: Anna Christiana (1723-1783) und Johann Adam (1725-1795) bleiben in Schmiedefeld. Anna Christiana stirbt aber in Vesser. Zu Johann Christoph Triebel (*1725) in Schmiedefeld wurde kein Sterbeeintrag in Schmiedefeld oder Vesser gefunden.
1703 Am 7. und 8. Dezember ereignet sich eine Windkatastrophe am Finsterberg, Blauer Stein und Freibäche. 60 Klafter Baumbestand brachen zusammen.
1704 Ca. um 1704 muss Catharina Triebel, jüngste Tochter des Johann Stephan Triebel aus Schmiedefeld geboren, da sie 1724 in Schleusingen heiratet. Ihr Vater könnte Johann Stephan, Sohn des Hans Adam aus Schmiedefeld sein.
1707 Am 2. März 1707 wird ein Dokument unterschrieben was die Steuerzahlungen („entweder Sechs Gülden an Gelde oder ein Mastschwein“) für die im Jahr 1705 erbaute Mahlmühle des Johann Valentin Schneider regelt. Dabei wird festgelegt, dass die bestehende Mahlmühle in Besitz von Hans Triebel durch die neue nicht ruiniert werden darf. „sie bey einem Lehngelde gelassen werden und damit die alte Mühle und das alte Lehnstück, so Hannss Triebel besitze, nicht durch die selbst ruinieret werden den neuen Mühlgang zum alten Müller indes mahl vor anderen zu verpachten“ [44].
1707 Johann Jacob Triebel wird in Schmiedefeld geboren und lebt bis 1775 in Schmiedefeld. Er ist Kirchenältester in Schmiedefeld.
1711 Johann Erhardt Triebel wird in Schmiedefeld geboren, ist Fuhrmann und stirbt 1782 in Schmiedefeld. Er hinterlässt eine große Familie, die bis in die Gegenwart verfolgt werden kann.
1718 Es werden 91 Mannschaften in einem Erbhuldigungsregister erfasst.
1719 Ein Pfarrdorf mit 140 Feuerstellen auf der Höhe des Thüringer Waldes.
1734 Es werden 99 Mannschaften in einem Erbhuldigungsregister erfasst. Davon Stephan Triebel, Wittwer, und die Nachbarn Jacob Triebel, Valentin Triebel und Adam Triebel.
1749 Die Mühle gerät in Brand, die Besitzer waren ruiniert. Der Wiederaufbau der Sägemühle fand erst 1799 am Gersbach statt.
1760 Peter Triebel stirbt in Schmiedefeld. (Kirchenbucheintrag).
1778 Von der Oberaufsicht Schleusingen erforderte gutachterliche Berichterstattung über das von Michael Günther, Ehrhardt Triebel und Adam Stuhl in Schmiedefeld geschehene Gesuch um Erlaubnis zur Anlegung einer Bleicherei.
1790 Es werden 1034 Einwohner erfasst.
1791 Gesuch von Jacob Triebel, Johannes Schmidt u.a. in Schmiedefeld um Erbauung neuer Wohnhäuser.
1796 Gesuch des Inwohners und Schäfthauers Johann Sebastian Triebel in Schmiedefeld um Konzession zur Erbauung eines neuen Wohnhauses auf der Brunnweise an der Schleusinger Straße.

19. Jahrhundert

1810 Es existiert eine Akte über Jacob Triebel u.a. in Schmiedefeld wegen ohne Konzession erbauter Wohnhäuser.
1815 Es werden 1088 Einwohner erfasst. Der Kreis Schleusingen wird preußisch.
1871 Eine Brandkatastrophe erfasst und zerstört den historischen Ortskern. Über vier Jahre lebten fast alle Familien im Ort in äußerst beengten Verhältnissen, die Obdachlosen waren auf die noch stehenden Gebäude am Ortsrand verteilt. Es kam zum Zusammenbruch der hygienischen Verhältnisse, als bis zu 18 Personen in den ortstypischen kleinen Häuschen oder in Schuppen und Scheunen leben mussten. Nach einer ärztlichen Studie grassierte im Ort über fünf Jahre das Nervenfieber und der Hungertyphus, auch als Folge einer Kartoffel-Missernte. Mit Erlaubnis der Forstbehörde zogen viele als Holzfäller tätige Männer in die umliegenden Wälder und errichteten einfachste Blockhütten, um der Enge zu entkommen.
1850 In der Erhebung der Klassensteuer werden alle Namen und Berufe der Einwohner aufgeführt. In der Liste kommt der Name Triebel 13-mal vor. Zusammengestellt wurde die Liste vom Schultheißen Triebel und den Schöppen Adam Krämer, Daniel Lindenlaub, Christian Engelhardt sowie Friedrich Schneider.
1860 Adam Triebel ist nach August Kühn, der das Amt 1850 übernommen hatte, Schultheiß von Schmiedefeld.

Ortschroniken führen

Ziele

  • Relevante Fakten aus verschiedenen Quellen zusammenfassen.
  • Fakten zu Orten und Personen in Beziehung setzen.
  • Neue Quellen identifizieren.

Inhalte

  • Wichtige Informationen zur Region.
    (Kriege, Schlachten, Machtwechsel, Wirtschaftsbranchen etc.)
  • Wichtige Informationen zu den Orten.
    (Erste Erwähnung, Handwerks- und Industrieansiedlungen, Wechsel von zuständigen Ämtern, Namensänderungen etc.)
  • Informationen zu den Kirchen, Kirchenbüchern und Schulen
    (Beginn der Aufzeichnungen, Lücken etc. )
  • Informationen zu Personen und Stammlinien
    (nicht zuordenbare Personen, Ortswechsel etc.)

Beispiele und Erkenntnisse

  • Mir waren die unterschiedlichen Bezeichnungen meines Forschungsgebietes „Henneberger Land“, die Machthaber und deren häufige Wechsel zu Anfang völlig undurchsichtig. Bei der Recherche für meine Chronik, bin ich auf den „geheimen Rat“ gestoßen, der das Herzogtum Sachsen-Zeitz für wenige Jahre verwaltete. Ich wusste vorher nicht was ein geheimer Rat ist und wäre auch nicht auf die Idee gekommen im Hauptstaatsarchiv Dresden, nach einer (heute) thüringischen Region zu recherchieren. Schließlich habe ich vor Ort in einem ca. 300 seitigen Erbhuldigungsregister 8 Triebels in Vesser finden können. Diese und weitere Triebels in anderen Orten habe ich in die Orts-Chroniken eingetragen.

Chronik Goldlauter

Für Goldlauter konnte ich die folgenden genealogisch relevanten Fakten zusammentragen.

Bis zum 17. Jahrhundert

1574 Steffen Triebel heiratet in Schleusingen.
1588 Die Steuerregister des Amtes Suhl enthalten 49 Besteuerte („Mannschaften“) mit einem Vermögen von 2135 fl.
1600 Es beginnen die Kirchenbuchaufzeichnungen mit Tauf-, Trau- und Sterberegister.
1619 Aus dem Amt Suhl waren mindestens 106 Frauen und Männer von Hexenverfolgung betroffen. Mindestens 73 Prozesse endeten tödlich. Aus Goldlauter waren sieben Frauen und ein Mann betroffen, mindestens sechs Menschen überlebten nicht. Darunter war auch Barbara, Oswald Triebels Witwe, 85 Jahre, sie wurde nach dem Prozess verbrannt.
1646 Bei der Volkszählung nach dem 30-jähigen Krieg werden keine Triebel-Familien erfasst.
1648 Martha Triebel, Tochter des Matthäus Triebel aus Frauenwald, heiratet am 5.7.1648 in Goldlauter Hans Weiß, Köhler aus Goldlauter.
1674 Hans Adam Triebel, Sohn des Paul Triebel aus Schmiedefeld, heiratet am 25.11.1674 in Goldlauter Ursula Orban. Aus der Ehe gehen vier Kinder hervor: Stephan (*1675), Sebastian (*1677), Susanna (*1680) und Ursula (*1683).

18. Jahrhundert

1707 Stephan Triebel, geboren in Vesser, Köhler in Goldlauter heiratet Maria Elisabetha Weis, eine Enkelin der Martha Triebel aus Frauenwald, die 1648 in Goldlauter heiratet. Stephan Triebel ist um 1740 Kirchenältester in Goldlauter bevor er 1749 stirbt. Die Ehe bringt zehn Kinder hervor, von den zwei im Kindesalter sterben. Sohn Johannes stirbt bereits mit 21 Jahren. Sohn Christian lernt Tischler in Goldlauter und Sohn Martin lernt Köhler in Goldlauter, beide wandern aus, da sie nicht in Goldlauter sterben. Martin lebt 1775 in Heinrichs. Die restlichen Kinder Maria, Samuel, Stephan, Susanna Walpurgis und Anna Catharina leben und sterben schließlich in Goldlauter. Die Linie wurde weiter erforscht.
1719 Ein Pfarrdorf mit 140 Feuerstellen auf der Höhe des Thüringer Waldes.
1747 Michael Heinrich Triebel, 1747-1759 Pachtmüller der Mittelmühle in Goldlauter und Sohn des Martin Triebel (Schmied und Schultheiß) aus Vesser, heiratet in Goldlauter am 15.08.1747 Anna Elisabetha Weis. Die wahrscheinlich zweite Ehefrau des Vaters Martin Triebel, Anna Elisabetha Meurer ist die Witwe des Besitzers der Mittelmühle. Aus der Ehe gehen sieben Kinder hervor. Die erstgeborenen Zwillinge versterben als Säuglinge. Zwei weitere Kinder sterben im Kindesalter. Die restlichen Kinder Jacob Heinrich (*1751), Johanna Elisabetha (1755 – 1816), Susanna Margaretha (1757-1826) erreichen das Erwachsenenalter. Susanna Margaretha heiratet 1780 in Goldlauter Lorenz Rosch. Jacob Heinrich ist 1791 Schmied in Heinrichs.

Chronik Frauenwald

Für Frauenwald konnte ich die folgenden genealogisch relevanten Fakten zusammentragen.

Bis zum 16. Jahrhundert

1218 An der Erfurt-Illmenau-Nürnberg-Würzburger Geleitstraße wurde von Graf Poppo von Henneberg eine Kapelle gespendet, die 1218 an das Kloster Veßra übertragen wurde.
1500 Der Ort hat etwa 130 Einwohner und war kirchlicher Mittelpunkt auf den Höhen des Thüringer Waldes.
1514 Das Steuerregister des Amtes Schleusingen enthält keine Einträge für Frauenwald.
1535 Die Steuerregister des Amtes Schleusingen enthält 9 Besteuerte mit einem Vermögen von 986 fl.
1569 Die Steuerregister des Amtes Schleusingen enthält 30 Besteuerte mit einem Vermögen von 3268 fl.

17. und 18. Jahrhundert

1617 Matthäus Triebel Fuhrmann in Frauenwald, Sohn des verstorbenen Peter Triebel, heiratet am 19.05.1617 in Frauenwald Martha Störmer, Tochter des Richters Bonifacius Störmer aus Goldlauter.
1647 Bei der Volkszählung nach dem 30-jähigen Krieg werden keine Triebel Familien erfasst.
1719 Frauenwald (zu den Frauen auf dem Walde) hat 74 Häuser und eine Pfarrkirche.
1778 Ein Brand in der Nacht vom 7. zum 8. August vernichtete die Schule und das Pfarrhaus mit allen Kirchenbüchern, die auch Einträge für Schmiedefeld und Vesser enthalten.
1789 Der Felgenhauer Georg Adam Triebel aus Schmiedefeld heiratet am 21.10.1789 in Frauenwald Margaretha Elisabeth Pfeiffer aus Frauenwald. Es werden mindestens fünf Kinder geboren, von denen zwei das Erwachsenenalter nicht erreichen. Tochter Eva Elisabetha heiratet vor 1837 in Waldau, Sohn Georg Friedrich heiratet um 1830 in Frauenwald und Sohn Johann David heiratet 1834 und lebt bis zu seinem Tod 1885 in Frauenwald.
1831 Am 3. August wurde die nach den Bauplänen von Karl Friedrich Schinkel gebaute Kirche St. Nicolai geweiht.
1838 Handzeichnung zu der Roteisensteinmutung bei Schmiedefeld des Georg Friedrich Triebel zu Frauenwald vom 19.09.1838.
1894 Justus Louis Triebel (*1856, +1928) aus Albrechts bei Suhl ist nach Frauenwald gezogen und hat eine Familie gegründet. Es werden die Söhne Erich (*1894), Lothar (*1897) und Otto geboren. Die Brüder werden nicht dauerhaft in Frauenwald leben. Erich stirbt in Altenstadt. Die Stammlinie lässt sich bis in die Gegenwart nachvollziehen.

19. Jahrhundert

1838 Handzeichnung zu der Roteisensteinmutung bei Schmiedefeld des Georg Friedrich Triebel zu Frauenwald vom 19.09.1838.
1894 Justus Louis Triebel (*1856, +1928) aus Albrechts bei Suhl ist nach Frauenwald gezogen und hat eine Familie gegründet. Es werden die Söhne Erich (*1894), Lothar (*1897) und Otto geboren. Die Brüder werden nicht dauerhaft in Frauenwald leben. Erich stirbt in Altenstadt. Die Stammlinie lässt sich bis in die Gegenwart nachvollziehen.